Die "Bierkathedrale" - Das Hotel Externsteine

Hotel Externsteine von 1867/68 mit jüngerem Anbau (rechts) auf einer Postkarte von 1905, Sammlung Margit Lenniger

Vom Krug zum Hotel

Vom Efeu befreit: Der neogotische Hotelbau des Pyrmonter Architekten Friedrich Gösling mit der Fensterrose, die den Volksmund zur Bezeichnung "Bierkathedrale" inspirierte, Postkarte von ca. 1955, Sammlung Margit Lenniger

Das Hotel Externsteine, im Volksmund auch "Bierkathedrale" genannt, prägte ziemlich genau hundert Jahre lang das Umfeld der Externsteine.

Förster Fricke, dessen Vorfahren bereits seit 1735 Krugpächter an den Externsteinen waren, erwarb 1855 von der fürstlichen Rentkammer in Detmold das alte Krug- und Forsthaus an den Externsteinen samt Brauereirecht. Das Fachwerkgebäude war 1665/66 errichtet worden. Als "Krug" bezeichnete man im niederdeutschen Sprachraum eine Schankwirtschaft.

Ein ambitionierter Neubau

1867 übernahm Carl Friedrich August Fricke (1833-1870) den Krug und begann sofort mit Planungen zu einem Neubau. Am 22. Februar schrieb er an die Rentkammer: „In nächster Zeit muß ich das zum Neubau des Wirthschaftshauses am Externsteine erforderliche Holz anfahren und verzimmern lassen. Hierzu bedarf eines ebenen Platzes (...)“ (in: L 92 S XV b Nr. 1 Vol. I).

Der Neubau im neogotischen Stil war ambitioniert. Als Architekt ist seit kurzem der Baumeister Friedrich Gösling aus Pyrmont (1837-1899) bekannt (freundlicher Hinweis von Prof. Güntzel, Detmold). Göslings Nachlass befindet sich im Stadtarchiv Bad Pyrmont, kürzlich widmete sich auch eine Ausstellung im Schloss Pyrmont dem Architekten. Ob es im Nachlass Gösling auch Unterlagen zum Hotel Externsteine gibt, ist noch zu prüfen.

Gastwirt Fricke hat sich mit dem Bauprojekt anscheinend übernommen, jedenfalls mussten seine Erben das Hotel 1872 verkaufen. Fricke selbst war am 25. August 1870 im Schmiedehäuschen des Steinbruchs bei Holzhausen tot aufgefunden worden, er hatte sich erhängt.

Mehrfacher Besitzerwechsel

Als Eigentümer des Hotels Externsteine, Bauerschaft Holzhausen Nr. 60, wurden 1872 Carl Grüttemeier, 1877 Karl Reineke und schließlich 1889 Gustav Ulrich (1852-1930) in das Salbuch des Amtes Horn eingetragen. Laut Grundbuch der Gemeinde Holzhausen ging das Anwesen 1923/25 zu gleichen Teilen an seinen gleichnamigen Sohn Gustav (1882-1945) und dessen Schwester Else Ulrich über. Diese verkauften es 1938 an die Externsteine-Stiftung, doch führte Familie Ulrich den Betrieb noch bis zum Abbruch des Gebäudes pachtweise weiter. Das Lippische Landes-Adressbuch von 1962 nennt Else Ulrich als "Wirtschafterin" in der "Gaststätte Externsteine KG." (S. 144).

Der Fachwerkbau von 1891 gegenüber dem Hotelgebäude wurde bereits 1938 abgebrochen, die "Bierkathedrale" selbst erst im Zuge der Neugestaltung des Externsteine-Umfeldes um 1965. Das heutige Gaststättengebäude des Landesverbandes Lippe entstand 1964-1966 außerhalb der Sichtweite der Externsteine beim zeitgleich angelegten Großparkplatz.

Familiendaten Ulrich in der genealogischen Datenbank Kreibaum: Weblink

Der Briefkopf des Hotels Ulrich von 1893 zeigt auch den Neubau von 1891 (Bildvordergrund), Landesarchiv NRW Abt. OWL, L 92 S XV B Nr. 8, Bl. 48

Die "goldenen Jahre" um 1900

Der Pavillon von 1890 auf einer kolorierten Postkarte von ca. 1900, Sammlung Margit Lenniger

Unter Gustav Ulrich senior florierte das Hotel Externsteine ab 1889, das Gebäude von 1867/68 wurde erweitert und auf der gegenüberliegenden Straßenseite entstand 1891 ein großzügiger historistischer Fachwerkbau, der als Pensionshaus diente. Er wurde über einem bereits vorhandenen Eiskeller (zur Aufbewahrung des Biers) errichtet. Bereits im Jahr zuvor hatte Ulrich auch unmittelbar vor den Felsen IV und V eine "Unterkunftshalle" als neogotischen Fachwerkbau bauen lassen, was von der Rentkammer trotz denkmalpflegerischer Bedenken geduldet wurde.

Im "Adressbuch für das Fürstenthum Lippe" warb Ulrich mit folgendem Inserat: "Hotel Externsteine. Bes. G. Ulrich, Hostraiteur. Hotel mit dem auf das Vornehmste eingerichteten Pensionshaus. Berühmteste historisch-romantische Felsengruppe in Deutschland. Centralpunkt für schöne Ausflüge. Mässige Preise, bester Comfort. Wasserleitung und Badeeinrichtung im Hause (…) Pensionsprospekt gratis und franko. Post- und Telegraphenhülfstelle. Telephon-Anschluss 43, Vermittlungsamt Detmold." (Anhang S. 305)

Text: R. Linde

Quellen

Alle im Landesarchiv NRW Abt. Ostwestfalen-Lippe in Detmold:

L 92 N Nr. 874 (Krug an den Externsteinen, 1698-1788)

L 92 R Nr. 1721 (Bau eines Forsthauses an den Externsteinen, 1665/66)

L 92 S XV b Nr. 1, Vol. I-II (bauliche Maßnahmen an den Externsteinen, 1809-1924)

L 101 C I Nr. 680 (Salbuch des Amtes Horn 1854-1896, Bd. 2)

L 107 C Nr. 108 (Brandkataster des Amtes Horn 1894 - ca. 1960, Bd. 1)

D 23 A Nr. 8798 (Grundbuch der Gemeinde Holzhausen-Externsteine, Bd. 4, Bl. 86)

Kirchenbücher Horn auf Mikrofiches im Lesesaal des Landesarchivs

Heinz Jurgeneit u. Klaus Stein: Landesverband Lippe 1949-1974, Lemgo 1974, S. 70