Was bedeutet der Name "Externsteine"?

Früheste Erwähnung des "Egesterenstein" (rechts) in einer Urkunde von ca. 1129. Landesarchiv NRW Abt. Rheinland, Stift Werden, Urk. 28

"Elsternfelsen"?

Für die ursprüngliche Bedeutung des Namens Externsteine gibt es verschiedene Erklärungsversuche. In der ersten gedruckten Erwähnung der Steine in einer kleinen Landeskunde Westfalens von 1564 gab der Theologe Hermann Hamelmann den Namen lateinisch als rupes picarum, "Felsen der Elstern" wieder. Auch Sprachwissenschaftler haben sich immer wieder zum Namen der Externsteine geäußert, zuletzt Dr. Birgit Meineke aus Münster.

Agistersten, Egesterenstein, Externsteine

Die älteste im Original erhaltene urkundliche Erwähnung der Externsteine findet sich in einer Urkunde des Klosters Werden bei Essen von ca. 1129 und lautet Egesterenstein. Spätmittelalterliche Erwähnungen entsprechen dem bis auf kleine Varianten in der Schreibweise (z. B. Eghesterensteyn). Dieser mittelniederdeutsche Name kann tatsächlich als "Elsternstein" verstanden werden, doch es ist zu vermuten, dass hier bereits im Hochmittelalter ein älterer Name umgedeutet worden ist. Diese Vermutung wird durch die auf 1093 datierte, tatsächlich erst im späten 12. Jahrhundert angefertigte Urkunde des Paderborner Klosters Abdinghof bestärkt, denn sie überliefert die Namensform Agistersten.

Das Grundwort von Agistersten ist altsächsisch sten, "Stein, Felsen". Das Bestimmungswort führt Birgit Meineke auf einen germanischen Wortstamm *ag- und die Wortendung -str zurück. Der Wortstamm *ag- liegt auch dem altsächsischen Wort eggia, "scharfe Schneide, Schwert" und dem mittelniederdeutschen egge, "Schneide, Saum, Bergrücken" zugrunde. Die Endung -str ist eines von verschiedenen Suffixen, die im Germanischen zur Bildung von Hauptwörtern verwendet wurden.

Seit dem 16. Jahrhundert verkürzte sich der Name von Egesterenstein zu Egsternstein. Die Schreibweise mit -x- setzte sich in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts durch, der Plural Externsteine erst im 19. Jahrhundert.

Text: R. Linde

Literatur

Birgit Meineke: Die Ortsnamen des Kreises Lippe (Westfälisches Ortsnamenbuch 2), Bielefeld 2010, S. 244f.

Vgl. auch den Abschnitt "§7 Namenkundliches" des Artikels "Externsteine", in: Reallexikon der Germanischen Altertumskunde 8, 1994, S. 46-48. H. Beck und J. Udolph sehen im Bestimmungswort einen Gewässernamen *Exter und führen diesen auf eine indogermanische Basis *ag-, "treiben, schwingen" zurück.

Hinweise

Mit Sternchen (*) kennzeichnen Namenforscher erschlossene, nicht unmittelbar bezeugte Wörter und Wortteile.

Namenforscher sprechen nicht von der "Bedeutung" eines Namens, sondern von seiner ursprünglichen "Motivierung", denn die Bedeutung eines Namens liegt allein in der Bezeichnung einer Person, eines Ortes usw.

Die zitierte Urkunde des Klosters Abdinghof von angeblich 1093 ist sehr umstritten, dazu demnächst näheres auf diesen Seiten.